Wollarium

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Thursday, August 6, 2015

In der Hitze des Sommers - Wollarbeit, was sonst?

Hauptberuflich beschäftige ich mich ja mit Altem - mit alten Dingen, alter Mode und alten Techniken. Und in meiner sparsam gesäten freien Zeit irgendwie auch. In diesem Sommer hat mich nach langer Zeit mal wieder der Wollvirus gepackt. Nicht der ganz normale, der zu einer Auffüllung der Garnvorräte und einem Strickexzess führt, sondern der, der mich dazu brachte, etwas Vlies frisch vom Schaf und auch ein paar Alpakafasern zu beschaffen.

Ursprünglich hatte ich gehofft, wieder vom Berliner Tierpark ein oder zwei Vliese seltener Schafrassen zu bekommen, schon weil es faszinierend ist, über einen der Wirtschaftseingänge den Tierpark zu 'betreten', mitten zwischen gelangweilt herumstolzierenden Pfauen hindurchzufahren und dann aus Säcken voller Schafschurergebnissen wählen zu dürfen (das Zackelschaf hat es mir immer noch angetan ... aber vielleicht beim nächsten Mal lieber nicht vom Schafbock ...). Meine Anfrage letzten Winter wurde auch zunächst sehr positiv aufgenommen, am Ende verlief das Ganze dann leider im Laufe des Frühjahrs doch im Sande. Schade, aber vermutlich hat der neue Direktor da eine neue Verfahrensweise vorgesehen. Wäre nur nett gewesen zu erfahren, welche ...

Egal. Es gibt ja noch andere Möglichkeiten. Und so fand neben den Alpakafasern denn auch das abgelegte Winterkleid eines Schafs zu mir, das zu seinen Ahnen Coburger Fuchsschaf und Texel zählen darf.

Beim Coburger Fuchsschaf mag ich den warmen, rötlichen Farbton, das hatte ich schon einmal, mit Texel habe ich noch keine Erfahrung. Am Ende eines langen - und bei mir auch nur sehr langsam vorangehenden - Prozesses jedenfalls soll die eine Hälfte mit Alpaka gemischt versponnen werden, weil mir das Alpaka allein zu pieksig ist, die andere Hälfte soll pflanzengefärbt werden. Hier schwimmt die eine Hälfte vom Vlies schon mal in der Wanne. Wie meistens ist es gewaschen deutlich weißer als vorher ....
Beim Pflanzenfärben habe ich vor Jahren mal ein wenig herumprobiert, in diesem Jahr haben mich vermutlich die leuchtend gelben Unkräuter in meinem Gärtchen darauf gebracht, es noch einmal zu versuchen.
Und hier trocknet die gesammelte Pracht schon mal:
Das ist übrigens nicht alles aus meinem Mini-Gärtchen, so schlimm sah es da dann auch wieder nicht aus ;) Die Wolle sollte beim Färben mit Goldrute vorher gebeizt werden, das habe ich noch nie gemacht. Der nächste Schritt wird also eine Alaunbeize sein, zeitgleich sollte ich den Sud zum Färben ansetzen. Mal schauen, wie weit ich an diesem Wochenende komme ....

2 comments:

  1. Das ist ja beeindruckend, wirst Du die Wolle dann kämmen und auch verspinnen? In den 80er Jahren hab ich das auch mal gemacht, aber die Wolle kratzt mich zu sehr und nun liegen hier noch ein paar Teile rum. Z.B. Karden und eine Handspindel. Kannst Du sowas gebrauchen? LG Agathe

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  2. Liebe Frau Agathe - ich habe mir gerade mal Deinen Blog angesehen, die lila Strand-Kombination sieht ja superelegant aus - noch dazu mit dem Beinahe-Hut, ich liebe Hüte (auch wenn es sich so selten ergibt, sie zu tragen ...). Die Handkarden wären vielleicht was ... vielleicht Details per PN? LG, Emma

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